Rheinische Post 26.08.2021

„Blau“ schafft Aufenthaltsqualität, wie hier am Café Mehrhoff. Die Fraktion „Für Moers“ glaubt an die positiven Eigenschaften des Wassers in der Stadt.

Die Fraktion hat im Rat einen Antrag zur Verbesserung des Starkregenschutzes und zur Attraktivitätssteigerung der Moerser Innenstadt gestellt. Was das eine mit dem anderen zu tun hat und warum nicht viel Zeit für eine Entscheidung bleibt.
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Von Julia Hagenacker
„Für Moers“ will mehr Wasser in der Stadt

MOERS | Über das Ziel sind sich schon jetzt alle einig: Die Moerser Innenstadt soll noch attraktiver werden; schöner, gemütlicher, grüner. „Grün Inne Stadt“ heißt deshalb auch der Titel einer im März von der Stadt vorgestellten Machbarkeitsstudie, die eine Richtschnur für die Entscheidungsfindung und Planung der kommenden Jahre bilden soll. Im Zentrum steht die Idee einer „grünen Achse“, die sich vom Schlosspark bis zur Mühlenstraße zieht. Bäume sollen dort gepflanzt, Flächen entsiegelt, die Fußgängerzone im Zuge der 2023 anstehenden Kanalsanierung in der Innenstadt optisch optimiert werden.

Die Fraktion „Für Moers“ um Fraktionschef Dino Maas geht jetzt aber noch einen Schritt weiter und sagt: Wir wollen auch mehr Blau, sprich mehr Wasser in die Innenstadt holen und Letztere gleichzeitig vor Starkregen schützen. Im Stadtrat hat sie einen entsprechenden Antrag gestellt.

Danach soll die Planung für die Erneuerung aller Leitungen, Kanäle und Straßenoberflächen in der City in enger Zusammenarbeit mit der Lineg überprüft werden. Nach den Erfahrungen der Hochwasserkatastrophen in NRW und Rheinland-Pfalz biete sich jetzt noch die Möglichkeit, die Moerser Planung anzupassen, sagt Maas. „Wir glauben jedoch ebenso an die positiven Eigenschaften des Wassers in der Stadt.Vielleicht ist da sogar eine Verbindung von Gefahrenabwehr und Steigerung der Attraktivität möglich.“ Dabei denkt die Fraktion „Für Moers“ einerseits an eine Überprüfung der Kapazitäten der unterirdischen Regenrückhaltebecken. Vorgeschlagen wird aber auch, im Zuge der anstehenden Kanalbauarbeiten über eine Herstellung von Oberflächenrinnsalen mit Anbindung an den Moersbach nachzudenken.

Diese, sagt Fraktionsmitglied Heinz Dams, könnten nicht nur sichtbar, begeh- und befahrbar sein, sondern zusätzlich einer Verbesserung des Klimas dienen. „Die Einrichtung öffentlicher Trinkwasserspender in der Innenstadt wäre ebenfalls eine Maßnahme zur positiven Darstellung der Stadt, die im Zusammenhang mit der Innenstadtsanierung in Absprache mit der Enni realisiert werden kann.“

Kritisch bei der Umsetzung des Maßnahmenpaktes könnte allerdings der knappe Zeitplan für das größte anstehende Infrastrukturprojekt sein. Wie berichtet will Enni gemeinsam mit der Stadt Moers ab 2023 zwischen Unterwallstraße und Schlosspark sowie zwischen Neuer Wall und Stadtgraben rund 28 Kilometer der alten Ver- und Entsorgungsinfrastruktur austauschen.

Was aktuell noch fehlt, ist das Konzept der Stadtverwaltung – und eine entsprechende Entscheidung der Politik – zur Gestaltung der Oberflächen in den Innenstadt-Straßen und Fußgängerzonen. Bis Ende des Jahres sollte Letzteres eigentlich stehen. Für die Fraktion „Für Moers“ ist das kein Problem.

„Aus den Starkregenkatastrophen in der Eifel und etlichen Landesteilen in NRW sollten wir auch in Moers unsere Lehren ziehen“, heißt es in der Antragsbegründung. Und weiter: „Dazu bietet es sich an, die geplante Sanierung der Infrastruktur in der Moerser Innenstadt auf eine Starkregensituation hin zu überprüfen und wenn erforderlich, anzupassen. Dabei kann auch unter Umständen eine zeitliche Verzögerung der Innenstadtsanierung in Kauf genommen werden.“ Dies gelte insbesondere unter dem Gesichtspunkt der aufgezeigten Möglichkeiten zur Steigerung der Attraktivität von Moers. „Uns ist es wichtig, dass die Idee politisch nicht von vorn herein zerredet, sondern sachlich geprüft wird“, betont Maas. „Dann werden wir schauen, was geht uns was nicht.“

Handtiefe Rinnen in Freiburg und Wittenberg

Idee Paul Süßer, gleichfalls „Für Moers“-Fraktionschef, schwärmte bereits im April von Freiburg und Wittenberg, wo in den Innenstädten in handtiefen Rinnen Wasser fließt. Wasser passe zu Moers als Grafenstadt, sagte Süßer. „Es gab einmal an vielen Stellen Wasser, an denen es heute fehlt, zum Beispiel auf dem Neumarkt.“